Vor 2000 Jahren benutzte man die Ohrakupunktur zu Linderung von Schmerzen und zur Empfängnisverhütung. Weitere Hinweise erschienen im 17. Jahrhundert im europäischen Raum. Eine Kauterisation (Gewebezerstörung durch Brenn- oder Ätzmittel mit Narbenbildung) am Ohr zur Ischialgiebehandlung und bei Zahnschmerzen wurde im 16. Jahrhundert erwähnt.
Die systematische Erforschung der Ohrakupunktur in Europa erfolgte durch den französischen Arzt Nogier 1950.
Ihm fiel bei einigen seiner arabischen Patienten eine Narbe an der Ohrmuschel auf. Bei ihnen war wegen Rückenschmerzen eine Kauterisation in der Ohrmuschel durchgeführt worden. Das hatte innerhalb von Minuten oder Stunden zum Nachlassen der Schmerzen geführt. Nogier ersetzte diese Methode durch das Stechen von Nadeln, was ebenfalls diese positive Wirkung hervorrief jedoch ohne Narben.
In der Ohrakupunktur geht man davon aus, dass der gesamte Körper als somatotrope Abbildung im Ohr dargestellt ist. Über die Nadelung im Ohr wird Einfluss auf den Körper über das Gehirn ausgeübt. Damit wird letztendlich die Selbstheilung des Körpers angeregt.
Bei der Therapie sind die aktiven Punkte des Patienten und die Punktekombination der zugehörigen Erkrankung ausschlaggebend.
Die aktiven Punkte zeigen sich dem Therapeuten durch Veränderung des Hauttonus, Hautfarbe und besonderer Schmerzintensität.
Meine Vorgehensweise
Anhand der Anamnese stelle ich eine Diagnose. Zum Auffinden der Punkte benutze ich die „Very Point Methode“ nach Gleditz. Durch Inspektion am Ohr und Palpation mittels einer Akupunkturnadel untersuche ich das Ohr. Erst danach entscheide ich quasi direkt am Ohr des Patienten welche Punkte genadelt werden.
Ich setze nur 5 Nadeln. Finde ich mehr Punkte, werden sie bis zur nächsten Sitzung aufgehoben. Im Durchschnitt benötigt man für eine erfolgreiche Therapie 5 bis 10 Sitzungen.
Indikationen zur Ohrakupunktur
- Schmerztherapie
- Herz- Kreislauferkrankungen
- Atemwegserkrankungen
- Magen-, Darmerkrankungen
- Harnwegserkrankungen
- Hauterkrankungen zum Beispiel Neurodermitis
- Allergische Erkrankungen
- Suchterkrankungen nur bei Wunsch des Patienten und maximaler Compliance
- Stoffwechselerkrankungen
- Hormonelle Erkrankungen
- Vegetative Erkrankungen zum Beispiel Schlafstörungen
- Psychische Erkrankungen zum Beispiel Depression
- Angstsyndrome
Kontraindikationen
- Lokale Entzündungen am Ohr
- Absolute Operationsindikation ( wie hochakute Blinddarmentzündung )
- Akute Notfälle ( Herzinfarkt, Schlaganfall )